Das Analysehaus Franke und Bornberg hat abermals die Tariflandschaft im privaten Rechtsschutz auf den Prüfstand gestellt. Im Rahmen des Ratings Privater Rechtsschutz haben die Analysten die Tarifkombination Privat, Beruf, Verkehr und Wohnen untersucht und unterscheidet dabei Angebote für Familien und Singles. Insgesamt wurden 258 Tarife und Tarifvarianten von 38 Gesellschaften beleuchtet. Im Vergleich zu den Vorjahren hat das Angebot auf dem Markt weiter an Qualität zugenommen. Aber so mancher Tarif hat Luft nach oben.
Angepasste Ratingkriterien 2025
Die Ratingkriterien passt Franke und Bornberg laufend den rechtlichen Entwicklungen und Marktgegebenheiten an. In der Neuauflage 2025 wurden beim Privatrechtsschutz im Internet Identitätsmissbrauch und das Entfernen rufschädigender Inhalte in den Kriterienkatalog aufgenommen. Neu ist außerdem das Kriterium Verwaltungsrechtsschutz bei Streit um die Studienplatzvergabe. Das Merkmal „Fahrer fremder Fahrzeuge“ dagegen ist weggefallen, da es laut den Analysten bei den Tarifen praktisch keinen Unterschied mehr gibt. Aus diesem Grund wurde auch die Gewichtung für „weltweiten Versicherungsschutz“ von Faktor 3 auf 1,5 verringert.
Daran hakt es beim Rechtsschutz
Die Mindeststandards sollen gewährleisten, dass gut bewertete Produkte durchgängig überdurchschnittliche Qualität bieten. Je höher die Bewertungsklasse, umso strenger die Mindeststandards. Eine Schwachstelle, aufgrund derer etliche Angebote nicht die Höchstwertung erzielen, ist nach wir vor der Mindeststandard „vorsorgliche Rechtsberatung“. Laut Franke und Bornberg würden viele sehr gute Tarife an der Top-Note FFF+ scheitern, weil sie keine anwaltliche Beratung bieten, wenn noch kein Rechtsschutzfall vorliegt.
Bei Tarifen, für die es für die beiden höchsten Bewertungsstufen nicht reicht, hapert es am Arbeitsrechtsschutz, Immobilienrechtsschutz sowie am außergerichtlichen Verwaltungs-, Steuer- oder Sozialrechtsschutz. Im Rechtsschutz für Erb-, Familien- und Lebenspartnerschaftsrecht würden diese Policen den Ratern zufolge ebenfalls Lücken aufweisen.
Mehr Rechtsschutztarife für Familien mit Höchstnote
Zur Bewertung der Tarife für Familien hat Franke und Bornberg 81 Kriterien herangezogen und damit sechs mehr als im Vorjahr. Die Qualität ist in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen. Der Anteil der Tarife in der Top-Klasse FFF+ („hervorragend“) hat sich um 3,1 Prozentpunkte vergrößert. 25 von 258 Tarifkonfigurationen heimsen im Rating 2025 die Bestnote ein. Noch stärker hat die Gruppe mit der zweitbesten Bewertung FFF zugelegt. Mit 127 Tarifkonfigurationen erhalten somit inzwischen fast die Hälfte aller analysierten Familientarife die Note „sehr gut“. 2024 lag ihr Anteil erst bei knapp 43%. Doch nicht alle Tarife können überzeugen: Mehr als jeder fünfte Familientarif kommt über die Note „befriedigend“ oder schlechter nicht hinaus.
So schneiden Rechtsschutztarife für Singles ab
Für das Rating Singles analysiert Franke und Bornberg 74 Kriterien und damit vier mehr als im Vorjahr. Der Anteil der Tarife der Kategorie FFF+ hat sich von 7,4% im Vorjahr auf 9,7% erhöht: 25 Tarife erhalten die Note hervorragend. Der Anteil der Tarife in der Gruppe FFF ist von 41,8% im Vorjahr auf 48% gestiegen. 124 Tarife schneiden mit „sehr gut“ ab. 23% aller Tarife erzielen die Note „befriedigend“ oder schlechter.
Gesellschaften mit mindestens einem Tarif mit Höchstnote
Wie Franke und Bornberg mitteilt, haben die folgenden Versicherer 2025 mindestens einen Tarif mit der Bestnote FFF+ im Angebot:
- ARAG
- Lippische Landesbrand
- ÖRAG
- Provinzial Nord Brandkasse
- Provinzial Versicherung
- Roland
Alle Gesellschaften bieten Tarife, die sowohl im Familien- als auch im Single-Segment die Höchstwertung erhalten haben.
Was sehr guter Rechtsschutz kostet
Für einen sehr guten Tarif mit 150 Euro Selbstbehalt zahlen Singles laut Franke und Bornberg jährlich ab 300 Euro aufwärts. Für Angebote für Familien fallen 350 Euro oder mehr an. Dass die Prämien in absehbarer Zeit sinken könnten, gilt als unwahrscheinlich, wie die Analysten anmerken. „2024 haben Rechtsschutzversicherer laut GDV-Zahlen gut 7% mehr für Schäden aufgewendet als im Vorjahr. Mit einer Schaden-Kostenquote von 98% schrammt die Sparte nur knapp an der Verlustzone vorbei“, sagt Christian Monke, Leiter Ratings Private Risiken bei Franke und Bornberg.
Die Zahl der Anbieter stagniere aktuell. Wettbewerb finde hier über die Qualität statt, nicht aber über den Preis, so Monke. Nachhaltigkeit habe sich als Alleinstellungsmerkmal bislang nicht etablieren können. (tik)
Die vollständigen Rating-Ergebnisse zum privaten Rechtsschutz finden sich unter franke-bornberg.de.
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