Das Trierer Institut für Geldwäsche- und Korruptions-Strafrecht (TrIGeKo) hat sich im Rahmen der Studie mit dem Ausmaß der Geldwäsche im deutschen Immobiliensektor und deren Auswirkungen auf die Immobilienpreise befasst. Hierzu hat das Forschungsteam Informationen zu Verdachtsmeldungen aus dem Verpflichtetenkreis des Geldwäschegesetzes sowie öffentlich zugänglichen Informationen zu Immobilientransaktionen und Immobiliendaten herangezogen.
Wie es im Vorwort zur Studie heißt, wurde bislang bereits vermutet, dass steigende Immobilienpreise zu den schädlichen Effekten von Geldwäsche zählen. Eine evidenzbasierte Datengrundlage für diese Annahme habe jedoch bisher gefehlt. Die negativen Auswirkungen von Geldwäsche auf die Immobilienpreise belegt die Untersuchung nun erstmals empirisch. Weiter heißt es, die Studie erbringe auch (mittelbar) den Nachweis, dass Geldwäsche tatsächlich negative Folgen für den Wirtschaftskreislauf hat.
Verdachtsmeldungen und Preise von Eigentumswohnungen
Die Forschenden nutzten für die Analyse aggregierte Statistiken zu Geldwäscheverdachtsmeldungen, die im Zeitraum von Oktober 2020 bis Ende März 2024 eingegangen sind und durch die Anti-Geldwäsche-Behörde Financial Intelligence Unit (FIU) anonymisiert bereit gestellt wurden. Die Studie nutzt das erhöhte Meldeaufkommen infolge der im Oktober 2020 in Kraft getretenen Geldwäschegesetzmeldepflichtverordnung-Immobilien (GwGMeldV-Immobilien).
Insgesamt waren es im Untersuchungszeitraum 23.722 Verdachtsmeldungen mit Transaktion und einem approximierten Gesamtvolumen von ca. 4,3 Mrd. Euro. Laut Studie lag die „durchschnittliche“ Meldung einen Median von ca. 181.000 Euro.
Neben den Verdachtsmeldungen haben die Forschenden die Preisentwicklung auf dem Markt für Eigentumswohnungen in den Großstädten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart beleuchtet.
Geldwäsche lässt Immobilienpreise steigen
Anhand der Berechnungen kommen die Studienautoren zu dem Schluss, dass eine Erhöhung des Volumens an Geldwäscheverdachtsmeldungen mit einem Preisanstieg auf dem Immobilienmarkt einhergeht. Die Forscher sprechen dabei von einem Anstieg um 1,9%. „Gelänge es andersherum Geldwäschetätigkeiten im Immobiliensektor um 10% zu reduzieren, was einen Rückgang der Verdachtsmeldungen um dieselbe Quote und des Verdachtsmeldevolumens um ca. 30 Mio. Euro erfordern würde, so ließe sich anhand der vorigen Berechnung ein Rückgang der Immobilienpreise um eben diese 1,9% ableiten.
Bei einer Eigentumswohnung mit 80 m2 Größe und einem Quadratmeterpreis für das erste Quartal 2024 von im Schnitt 4.500 Euro (laut Daten aus dem German Real Estate Index) wären dies etwa 6.830 Euro des Kaufpreises von 360.000 Euro.
Die Studie lässt sich einsehen auf trigeko.uni-trier.de. (tik)(tik)
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