Versicherungskammer Maklermanagement: Wie schätzen Sie die Work-Life-Balance generell innerhalb der Branche ein?
Der Maklerberuf ist sehr anspruchsvoll, da er ein breites Spektrum an Fähigkeiten erfordert: analytisches Denken, Beratungskompetenz und eine ganzheitliche Perspektive. Zusätzlich muss man immer fachlich state-of-the-art sein. Also sowohl kognitiv als auch zwischenmenschlich eine echte Herausforderung. Zusätzlich tragen wir viel Verantwortung – wir beraten auf das Gelingen von Lebensentscheidungen hin und sichern die kleinen und großen Risiken individuell ab.
Dabei gibt es für mich einen deutlichen Unterschied zwischen dem, was man minimal liefern sollte, und dem, was ich wirklich bieten möchte. Dieser Selbstanspruch ist für mich Problem und Lösung in einem: Er erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ich nachts nicht schlafen kann, aber wenn ich die Kundin nach meinen Maßstäben gut berate, trage ich die Verantwortung dafür mit Stolz (und kann ruhig schlafen).
Versicherungskammer Maklermanagement: Welche Chancen und Herausforderungen für die Work-Life-Balance gibt es aufgrund der steigenden Digitalisierung in der Arbeitswelt?
Unsere Kundinnen sehnen sich nach individueller Beratung mit Fokus auf ihre konkreten Themen, gleichzeitig sollte es auch menschlich passen. Dieser Wunsch lässt sich über regionale Grenzen hinweg digital viel besser erfüllen. Und es bietet auf beiden Seiten Vorteile: Die Kundin bekommt die optimale Beratung und die Maklerin kann ihre Zielgruppe sehr fokussiert ansprechen und sich spezialisieren. Das erleichtert grundlegende Prozesse wie die Akquise enorm, verbessert das Zeitmanagement insgesamt und trägt dadurch sehr positiv zur Work-Life-Balance bei.
Die Digitalisierung bietet enorme Chancen – das klassische Maklerbüro, in dem bei einem Kaffee über Finanzen und Versicherungen gesprochen wird, läuft als Konzept langsam ab. Ich beobachte auch, dass viele Kolleginnen und Kollegen sich digitalen Tools und KI-Lösungen entweder zu skeptisch nähern oder sich total überfrachten. Beides ist nicht hilfreich. Wir sind in unserem Unternehmen sehr offen für technologische Entwicklungen, doch wir hinterfragen konsequent, welchen Mehrwert wir dabei verfolgen. Das große Thema bei der Wahl der Tools ist in unserem Beruf neben dem tatsächlichen Mehrwert auch der Datenschutz. Sind diese Punkte einmal geklärt, bieten Tools große Zeitersparnisse und ganz neuen Spaß an der Arbeit: von der gemeinsamen Terminfindung bis hin zum automatischen Teilen von Informationen. Wir können die Kundin da treffen, wo sie sich wohlfühlt – und das ist meist eben nicht im E-Mail-Postfach. Weiterlesen
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