Michael Friebe: Schnell sein und die Sprache des Kunden sprechen
Von Toni Kuhn, AssCompact
Michael Friebe hat mit RVM erst kürzlich einen entscheidenden Schritt gemacht. Oder sagen wir: zu Ende geführt. Denn begonnen hat das Maklerunternehmen damit bereits vor rund zehn Jahren. Im Zeitraum zwischen 1999 und 2001 saßen die damaligen Geschäftsführer, darunter auch Friebe sowie Erich Burth, zusammen, um die Unternehmensnachfolge zu planen und dann in drei Etappen umzusetzen. Ende des letzten Jahres wurde der letzte Schritt vollzogen: Rainer Schiefelbein, der 1985 mit nur einer Handvoll Mitarbeiter die RVM Versicherungsmakler GmbH & Co. KG gründete, schied aus dem Unternehmen aus. Seine Unternehmensanteile übergab er an die beiden geschäftsführenden Gesellschafter Erich Burth und Michael Friebe. Friebe wirkt gleichermaßen zielsicher und gelassen, als er sagt: „Rückblickend war der Schritt extrem waghalsig, wenn man sieht, welche Wirtschaftskrisen sich in diesem langen Zeitraum ereignet haben. Dennoch kann ich heute sagen: Wir würden es wieder so machen.“
RVM zählt heute zu den größten Maklerhäusern im mittelständischen Industrie- und Gewerbebereich in Deutschland. Es beschäftigt über 130 Mitarbeiter. RVM hat fünf Standorte deutschlandweit und ist über ein von ihm mit gegründetes Maklernetzwerk international vernetzt. Die vorwiegende Ausrichtung ist noch immer regional. 95% der Kunden kommt aus Deutschland. 70% allein aus dem süddeutschen Raum.
Wachsende Verantwortung schafft Motivation
Hinter all dem stehen über 25 Jahre harte Arbeit. Im Rahmen der Neustrukturierung im letzten Jahr haben die Geschäftsführer ihren Mitarbeitern zusätzliche Verantwortung übertragen. Denn eines ist Michael Friebe besonders wichtig: die Förderung der Mitarbeiter. Davon macht er den Erfolg des Unternehmens abhängig. Er ist überzeugt, dass Motivation eng mit wachsender Verantwortung verknüpft ist. Entsprechend ausgeklügelt ist das Organigramm des Unternehmens heute. RVM gliedert sich in 16 Kundenteams. Diese werden von acht sogenannten Stabsabteilungen ergänzt. In diesen wird Know-how zu speziellen Dienstleistungen wie Betriebliche Altersversorgung, Debitoren- oder Verkehrshaftungsmanagement gebündelt. Diese Matrixorganisation stellt laut Friebe sicher, dass die RVM-Kunden fachlich kompetent und dennoch persönlich betreut werden. Er erklärt: „Natürlich ist eine Matrixorganisation aufwendiger als andere Organisationsformen und erfordert eine große Disziplin, denn eine enge und gute Zusammenarbeit der beteiligten Personen ist entscheidend“, weiß Michael Friebe. „ Jeder der Beteiligten in dieser Struktur hat ein großes Maß an Verantwortung gegenüber seinen Kunden und zum Transfer innerhalb von RVM. Genau das ist es, was wir unter Motivation durch Verantwortung verstehen.“
Die Teams betreuen rund 1.900 Kunden. Im Laufe der Jahre hat RVM eine ganze Reihe von Branchenlösungen in der Qualität eines technischen Industriemaklers erarbeitet. Neben speziellen Konzepten für klassisch schwäbische Branchen wie Maschinenbau oder Automotive finden sich darunter auch das Hotelgewerbe, die Entsorgungswirtschaft oder die Textilindustrie. „Ohne diese Expertise hat man im heutigen Markt keine Chance mehr. Du musst deinen Kunden verstehen und seine Sprache sprechen“, erklärt Friebe die Spezialisierung. Bei RVM gibt es deshalb auch keine reine Vertriebsabteilung. Die Kundenbetreuer setzen das Geschäft innerhalb ihres Teams eigenverantwortlich um. Auch das ist laut Friebe Strategie: „Bei uns kann sich kein Mitarbeiter hinter einem nicht funktionierenden Innendienst oder einem übermotivierten Außendienst verstecken.“
Das Ziel der neuen Struktur war nicht nur, mit der Zeit zu gehen. RVM, so betont Friebe, ist auch durch die Krisen hinweg organisch gewachsen. Dieses Wachstum will er beibehalten. Dem entspricht auch die Unternehmensphilosophie, welche sehr schwäbisch anmutet. Ganz oben steht laut Friebe „Fleißig sein!“. Und weiter: „Sich fachlich zu ergänzen und zu verstärken“. Friebe selbst kam 1995 ins Unternehmen. Damals waren es noch 22 Mitarbeiter. Bis er Geschäftsführer und Inhaber wurde, wuchs er stufenweise mit dem Unternehmen mit: „Erich Burth und ich haben beide den Weg von der Sachbearbeitung über Kundenbetreuung und Vertriebsaspekte bis hin zu Geschäftsführungsaufgaben bei RVM durchlebt.“ Bis heute betreuen die Geschäftsführer die größten Kunden selbst.
Weltweit mit Kollegen vernetzt
RVM betreut mittelständische Unternehmen mit einem Umsatzvolumen von 5 Mio. bis zu 1 Mrd. Euro. Traditionell bewegte sich RVM dabei am liebsten in seiner heimatlichen Umgebung. Noch ist die Mehrheit der Kunden deutscher Herkunft. Mehrere Hundert RVM-Kunden agieren jedoch nicht nur in Deutschland, sondern haben Produktionsstätten oder Vertriebsfirmen weltweit. Daher gründete RVM mit zwei anderen Maklerhäusern ein weltweit agierendes Maklernetzwerk, die UNISONBrokers AG in Hamburg. Ziel ist es, laut Friebe, eine Expertise in ausländischen Märkten analog dem deutschen Niveau bieten zu können. Angefangen habe diese Entwicklung mit der Osterweiterung: „Am Anfang sind wir selber in die Ukraine, nach Polen, haben die Risikostandorte besichtigt und im jeweiligen Land die Policen platziert. Schnell wurde die Nachfrage so groß, dass wir es nicht mehr allein bewältigen konnten. Aufgrund dessen haben wir uns überlegt, was wir machen.“
Weiterbildung ist Teil des „daily business“
Hoch sind auch die fachlichen Anforderungen an die Mitarbeiter. Aus der Not der schwäbischen Provinz hat das Unternehmen eine Tugend gemacht. „Den großen Anteil unserer Belegschaft bilden wir selbst aus. Wir haben im positiven Sinne eine ‘hungrige’ Mannschaft, welche Erich Burth und ich mit finanziellen Mitteln oder Freistellungen bei Weiterbildungen unterstützen“, erläutert Friebe. Circa 50% der Belegschaft hat sich entweder zum technischen Underwriter, zum Versicherungsfachwirt oder zum Versicherungsbetriebswirt weitergebildet. Diese Philosophie hat dazu geführt, dass das Durchschnittsalter im Unternehmen bei 35 Jahren liegt. Ungefähr 20 Auszubildende sind derzeit im Unternehmen. Dazu kommt ungefähr die gleiche Anzahl an Ausbildern, die eine Ausbildereignungsprüfung vorweisen. Friebe erklärt, dass fast alle dieser „Ausbildungspaten“ ehemalige Azubis sind, die noch „nah dran sind an deren Alltag“. Für die Nachwuchsgewinnung ist seit diesem Jahr eine hauptberufliche Personalerin zuständig. RVM ist auf Ausbildungsmessen in der Region vertreten und wirbt auch für den Maklerberuf an Schulen. Hier gibt es laut Friebe auch spezielle Projekte, die von der IHK unterstützt werden. Aufklärungsarbeit ist Friebe dabei wichtig und das nicht nur bei der Nachwuchsgewinnung: „Wir versuchen, nach innen und außen zu vermitteln und zu leben, dass unser Beruf nicht verkaufen, sondern beraten und betreuen bedeutet“, meint Friebe mit Blick auf die Uhr. Er muss bald weiter zum nächsten Termin: „Denn bei RVM sind Kunden Chefsache.“
Leserkommentare
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